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Gemeinsames Konzert mit Vielfalt – Drei Chöre tun sich zusammen und begeistern die Zuschauer

NNP – 17.04.2018

von Gertrud Brendgen

Niederbrechen. Es war ein musikalischer Leckerbissen. Chorklang, der unter die Haut geht! Anders kann man es nicht nennen, was der MGV Eintracht Oberbrechen mit den beiden Gastchören, Harmonie Lindenholzhausen und EXtraCHORd Montabaur in der Kulturhalle Niederbrechen präsentierte.

In einer “fremden” Halle und doch zu Hause: Karl-Gisbert Roth, Vorsitzender des MGV, verwies auf das mitgebrachte und im wahrsten Sinne großartige Bühnenbild mit der Ansicht von Oberbrechen. Der Vorsitzende dankte den Gastgebern und begrüßte die Ehrengäste, allen voran Bürgermeister Frank Groos und den Landtagsabgeordneten Joachim Veyhelmann.

Anfang 20, ehemaliger Domsingknabe und seit einen dreiviertel Jahr Dirigent des MGV Eintracht Oberbrechen: Das ist Maximilian Schmitt. Er ist talentiert, selbstbewusst und ideenreich. Seine Begeisterung überträgt er direkt auf den Chor, und diese geben sie weiter an das Publikum. Mit einem wunderbar weichem Chorklang, der Friedrich Silchers “Loreley” zu einer berührenden Geschichte werden lässt. Oder bedächtig durch dunkle Gassen führt, durch die der Geselle “In der Ferne” entschwindet. Um solche Stimmungen zu erzeugen, ist ein guter Blick-Kontakt zwischen Sänger und Dirigent Voraussetzung. Und genau das fordert Schmitt von den Herren, indem er zum Beispiel einfach die Arme verschränkt statt zu dirigieren und allein durch seinen Blick und Mimik durch das Lied “Frisch gesungen” führt. Da war nicht nur das Publikum überrascht, auch die Sänger hatten keine Ahnung von diesem “Experiment” — das im Übrigen hervorragend geglückt war. Dass auch Trinklieder durchaus geschmeidig klingen können, zeigte der MGV mit “Ein König ist der Wein”: Temperamentvoll, mit durchaus markanten Bass-Passagen. Wenn der Dirigent am Ende des Liedes das Weinglas Richtung Publikum erhebt, schließt man sich dem “Wohlsein” herzlich gerne an.

“Hear My Prayer”

Die Harmonie Lindenholzhausen ist ein Männerchor der Extraklasse. Einfach die Augen schließen und sich in diese umfassende von Dirigent Martin Winkler gezügelte und fein geformte “Stimmgewalt” der knapp 70 Herren fallen lassen. Sich dem vollen Sound und kunstvoll-dezenten Schnörkeln des Liedes “Hear My Prayer” hingeben und sich am Ende von einem über dem gesamten Raum schwebendem „Amen” sanft zudecken lassen. Fasziniert beobachten, wie der Dirigent von der Bühne kommt, sich auf einen Stuhl stellt und das doppelchörige und durch und durch ergreifende “Agnus Dei” aus Flotows Dorfmesse dirigiert.

Dann erklingt wieder hinreißend schlicht und in glasklarer Präzision “Im Dorf da geht die Glocke schon” um gleich danach wieder die doppelchörige Aufstellung einzunehmen und Alwin Schronens “Te deum laudamus” vorzutragen. Im zweiten Teil des Konzerts widmete sich der Meisterchor einem Thema, das Männer richtig gut können — sagt Dirigent Winkler: Dem Liebeslied. Dabei stellten sie zeitgenössische Chorwerke des Amerikaners Matthew Harris deutschen Volksliedern gegenüber. Ein spannendes Kontrast-Programm, dessen Highlight für das Publikum gewiss die “Untreue” war. Vertraut und trotzdem selten so ergreifend gehört, ganz ohne Kitsch und Pathos.
Dass diese harmonische Einheit aus 70 Stimmen auch Solo Talente in sich birgt, zeigte sich bei der Zugabe “My Soul Is So Happy” mit Andreas Jung und Michael Hoffmann als Solisten.

Vor diesem “Happy End” kamen die Zuhörer allerdings noch in den Genuss des “Ensemble EXtraCHORd Montabaur”. Traumhaft sicher intonieren und interpretieren diese “Auswahlsänger” internationale, überwiegend zeitgenössische Chor-Literatur. Unter der Leitung von Martin Ramroth gestalten die neun Damen und fünf Herren Tonbilder in allen Facetten. Mal lyrisch-klassisch wie bei “Good Night, Dear Heart”, eine Komposition von Dan Forrest nach einem Gedicht von Mark Twain.

Beinahe sphärisch erklingt “My Love Dwelt In Northern Land” von Edward Elge, ein Lied über Tod und Trauer. Bei “Tykus Tykus” war es wiederum der Rhythmus und die aufregend gestaltete Dynamik, die die Geschichte von dem Reitersmann und dem verführten Mädchen bildhaft machte. Das Thema Liebe nahm dann im zweiten Programmteil des Ensembles “Gestalt” an. Wie schon die beiden anderen Chöre, bot auch EXtraCHORd ausschließlich A-Capella-Gesang. Wenn man von einer kleinen Ausnahme absieht: Das letzte Lied des Ensembles erzählte die Geschichte von Johann Sebastian Bach, der für seine d-Moll Toccata verzweifelt nach einer Fuge sucht. Ein unterhaltsames und vor allem hochkarätiges Konzert das eindrucksvoll zeigte, wie umfassend das “Instrument” Stimme klingen kann!

Ein Chorkonzert der Spitzenklasse

WAZ – 22. Mai 2016Image-20160524

von Christiane Sandkuhl

Berghausen. Mit einem „Chorkonzert der Spitzenklasse“ wurde der Männerchor „Harmonie“ Lindenholzhausen von seinen Gastgebern angekündigt, den Sängern des MGV „Erholung“ Schüllar-Wemlighausen. Doch die Formulierung „Spitzenklasse“ bleibt den Zuhörern in der vollbesetzten Kulturhalle Berghausen wohl eher als Untertreibung im Gedächtnis.

Pamela Travers’ Kinderbuchfiur „Mary Poppins“ hätte mit dem Ausspruch „supercalifragilisticexpialigetisch“ direkt ins Schwarze getroffen. Doch wie kommt ein solch preisgekrönter Chor nach Wittgenstein? Friedel Fuchs hat es vor vielen Jahren aus Schüllar ins hessische Langendernbach verschlagen, wo er seine Leidenschaft als Chorsänger in der „Harmonie“ weiterleben kann. Die Verbindung zur alten Heimat war somit hergestellt. Die Einladung stand und wurde gern angenommen. Jürgen Saßmannshausen-Aderhold, Vorsitzender des MGV „Erholung“, bezeichnete die „Harmonie“ als Gesamtkunstwerk und übergab nach drei Begrüßungsliedern der 20 Sänger starken „Erholung“ die Moderation an Harmonie-Chorleiter Martin Winkler: „Noch nie vorher waren wir hier in irgendeinem der wunderschönen Wittgensteiner Orte. Wir genießen es – und wenn unsere Arbeit gefällt, rufen Sie bitte laut Zugabe.“ Lockerer Auftakt mit Schalk im Nacken und echtem Rhythmus im „Chor-pus“.

 

Gänsehaut-Gefühl pur

Die ersten Takte des „I will praise Thee O Lord“ verrieten: Die Männer machen nicht nur Musik, sie sind Musik mit jeder Zelle ihrer Körper. Spirituelle Chorliteratur erhebt nicht den unbedingten Anspruch, ruhig und gemäßigt daher zu kommen. Die Ehre Gottes erlaubt, laut und fröhlich gelöst zu sein. Im mitteleuropäischen Glaubenskreis geht es für gewöhnlich piano zu. Franz Schuberts „Heilig, heilig“ oder das eigens für den Chor als Doppelchor-Werk von Alwin Schronen komponierte Stück zeigten mit teils gehauchter, später durchdringender Deutlichkeit die Zuneigung jeder Stimme zu Gott.

Gänsehaut-Gefühl, das nicht enden will, beherrscht den Abend. Egal, ob temperamentvolle Volksmusikweise „Wenn alle Brünnlein fließen“ des Ungarn Miklós Mohay, „Schlehenblüte“ von Franz Schreker oder aber die vier Ur-aufführungen „Werbung“, „Entschuldigung“, „Aufs Wohl der Frauen“ und „Abschiedsgruß“ für alle Damen im Saal von Friedrich Silcher: Sie alle sichern den 80 Harmonie-Sängern stets frenetischen Beifall.

Die Gastgeber standen dabei natürlich nicht im Abseits. Auch An­dré Braun hatte mit seinen 20 Kehlen so einiges an Volumen zu bieten und beschenkte das Publikum reichlich mit internationalem Liedgut. „Bene calastoria“, „Tebje pojem“ oder „Ich schenk’ Dir einen Schutzengel“ gefiel sogar einem Schwalbenpärchen derart, dass es entschied, in der Dachverstrebung der Berghäuser Kulturhalle zu nisten. Fröhliches Zwitschern begleitete das Finale aller Sänger gemeinsam. „Das Morgenrot“ im großen Kreis um das Publikum herum intonierten sie mit gewaltiger Inbrunst – und so mancher verdrückte vor Ehrfurcht ein paar Tränen. Bewegende Momente, die wohl nur die Musik ausdrückt.